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Deutsches Gericht verurteilt ISIS-Braut wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ beim Tod eines 5-jährigen jesidischen „Sklaven“

Ein Münchner Gericht hat am Montag eine mit einem IS-Kämpfer verheiratete Frau wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und versuchter Kriegsverbrechen zur Beihilfe zum Mord an einem 5-jährigen jesidischen Mädchen zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht entschied, dass Jennifer Wenisch, eine 30-jährige deutsche Staatsbürgerin, nicht intervenierte, um das Verdursten des Kindes in der Wüstenhitze des Irak zu stoppen. Es wird angenommen, dass die Verurteilung weltweit die erste im Zusammenhang mit der Verfolgung der jesidischen Gemeinschaft durch den Islamischen Staat ist.

Im Jahr 2014 übernahm die Terrorgruppe Islamischer Staat eine Region im Nordirak, in der die kleine religiöse Gruppe der Jesiden lebte, massakrierte Tausende von Jesiden und versklavte schätzungsweise 7.000 Frauen und Kinder.

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Nach Angaben der deutschen Staatsanwaltschaft kauften Wenisch und ihr Mann das Kind und ihre Mutter als Haussklaven, als sie 2015 in der vom Islamischen Staat besetzten irakischen Stadt Falludscha lebten zur Strafe nach Hause und lasse das Kind in der Wüstenhitze verdursten. Die Mutter des Kindes, die gezwungen wurde, ihren Tod mitzuerleben, war die Hauptzeugin des Prozesses und sagte über 11 Tage lang aus.

Warum Deutschland zu einer Anlaufstelle für Prozesse über die Verbrechen der Welt wird

Die Staatsanwaltschaft hatte Wenisch empfohlen, lebenslänglich inhaftiert zu werden. Das Gericht stellte jedoch fest, dass der Angeklagte nur eingeschränkt in der Lage war, die Versklavung der Frau und ihres Kindes zu beenden. Wenischs Ehemann Taha al-Jumailly steht in Frankfurt vor Gericht.

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Der Fall wird in Deutschland verhandelt, weil seine Rechtsordnung Teile des Grundsatzes der universellen Gerichtsbarkeit beinhaltet. Nach diesem Rechtsprinzip sind einige Verbrechen – wie Völkermord und Kriegsverbrechen – so schwerwiegend, dass die üblichen territorialen Beschränkungen bei der Strafverfolgung nicht gelten.

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Im Rahmen sogenannter Strukturermittlungen ermitteln deutsche Behörden seit Jahren wegen Kriegsverbrechen gegen die jesidische Minderheit im Irak und in Syrien. Zwei weitere Prozesse zur Versklavung jesidischer Frauen und Kinder laufen in Hamburg und Düsseldorf.

Auf Anfrage eines Gesetzgebers im vergangenen Jahr bestätigte die Regierung, dass 22 deutsche Staatsangehörige mit Verbindungen zum IS oder einer anderen Terrororganisation – 19 Kinder und drei Frauen – mit Hilfe der deutschen Behörden nach Deutschland zurückgekehrt sind.

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Über hundert deutsche Staatsbürger, die das Land verlassen haben, um sich dem Islamischen Staat, auch bekannt als ISIS, oder anderen Terrororganisationen anzuschließen, befinden sich in Gefangenenlagern in Syrien und im Irak. Sie haben bei den deutschen Gerichten die Erlaubnis zur Rückkehr beantragt.

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